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Schleppkurve Feuerwehr: Zufahrt, Kurvenbreite und Aufstellfläche prüfen

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Gründer & Entwickler · Veröffentlicht · Reading time: 10 Min. Lesezeit

FeuerwehrSchleppkurveFeuerwehrzufahrtDLK 23/12Aufstellfläche
Feuerwehrfahrzeug bei der Anfahrt durch eine schmale Zufahrt zwischen modernen Wohngebäuden
Feuerwehrfahrzeug bei der Anfahrt durch eine schmale Zufahrt zwischen modernen Wohngebäuden

Eine Feuerwehrzufahrt scheitert selten an der Geraden. Sie scheitert an der Kurve: an der Einfahrt von der Straße in den Hof, am Pfeiler der Durchfahrt, am Knick vor der Aufstellfläche. Dort entscheidet nicht die Fahrzeugbreite, sondern die Schleppkurve des Einsatzfahrzeugs. Dieser Artikel richtet sich an Architekten, Verkehrsplaner und Bauherren, die eine Zufahrt oder Aufstellfläche planen: Er erklärt, wie die Schleppkurve eines Feuerwehrfahrzeugs entsteht, welche Kurvenbreiten die öffentlich zugänglichen Landesrichtlinien verlangen und wie Sie eine konkrete 90-Grad-Einfahrt in wenigen Minuten im Browser prüfen. Wer die Norm selbst beziehen muss, findet alles dazu im Leitfaden DIN 14090 Feuerwehrzufahrten; dieser Beitrag kümmert sich um die Geometrie.

Warum der Wendekreis nicht reicht

In Hersteller-Datenblättern steht ein Wendekreis: bei einer Drehleiter DLK 23/12 je nach Fahrgestell rund 20 m, bei einem Löschfahrzeug deutlich weniger. Die Zahl ist für die Zufahrtsplanung aus drei Gründen zu wenig:

  1. Der Wendekreis ist ein stationärer Wert. Er beschreibt die Kreisfahrt bei vollem Lenkeinschlag. In einer Einfahrt lenkt das Fahrzeug erst ein und wieder aus; während dieser Übergänge überstreicht es mehr Fläche als auf dem Vollkreis.
  2. Die Hinterräder laufen innen. Die Hinterachse lenkt nicht, sie zieht der Vorderachse hinterher und schneidet die Kurve. Die innere Kante der Schleppkurve bestimmt deshalb das innere Hinterrad, nicht die Fahrzeugmitte. Je länger der Radstand, desto stärker der Schnitt.
  3. Die Front schwenkt außen aus. Der vordere Überhang samt Stoßfänger liegt vor der gelenkten Achse und läuft auf einem größeren Radius als die Vorderräder. Die äußere Kante der Schleppkurve bestimmt die vordere äußere Fahrzeugecke.

Bei Feuerwehrfahrzeugen kommt ein vierter Punkt hinzu, der bei PKW und Verteiler-LKW kaum auffällt: der hintere Überhang. Eine Drehleiter trägt den Leiterpark mit Korb über das Heck hinaus; nach Herstellerangaben liegen bis zu 3,8 m hinter der Hinterachse (Eckwerte und Quellen im Beitrag zu den Maßen der DLK 23/12). Beim Einlenken schwenkt dieses Heck zur kurvenabgewandten Seite aus. Wer am Straßenrand einen Zaun, einen Baum oder ein geparktes Auto stehen hat, muss diesen Heckausschlag mitdenken, obwohl er in keiner Radiusangabe vorkommt.

Zwei Fahrzeugklassen decken die meisten Planungsfälle ab:

  • Die Drehleiter DLK 23/12 ist der lange, starre Fall: zweiachsiges Fahrgestell der 16-t-Klasse, Radstand nach Herstellerangaben etwa 4,75 bis 4,82 m, Gesamtlänge rund 10 m, großer hinterer Überhang. Sie ist das Bemessungsfahrzeug, sobald der zweite Rettungsweg über Hubrettungsfahrzeuge führt.
  • Das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 20 ist der häufige Fall für Wohngebäude: ebenfalls zweiachsig, kürzer, mit kleinerem Radstand und kürzerem Heck. Die Maße hängen vom Fahrgestell ab und stehen im Datenblatt der jeweiligen Wehr.

Woher die Geometrie der Feuerwehrzufahrt kommt

Die Pflicht zur Zufahrt steht in der jeweiligen Landesbauordnung. In Bayern ist das Art. 5 BayBO: Liegt die Brüstung der zum Anleitern bestimmten Fenster mehr als 8 m über Gelände, ist statt eines Zugangs eine Zu- oder Durchfahrt zu schaffen; sind Hubrettungsfahrzeuge für die Personenrettung erforderlich, sind Aufstell- und Bewegungsflächen vorzusehen. Die anderen Länder regeln das in ihren Bauordnungen entsprechend, meist ebenfalls in § 5, dem Vorbild der Musterbauordnung folgend.

Die Maße stehen nicht im Gesetz. Sie stehen in der DIN 14090 „Flächen für die Feuerwehr auf Grundstücken", und diese Norm ist kostenpflichtig und urheberrechtlich geschützt. Frei zugänglich sind dagegen die Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr, die die Länder als Verwaltungsvorschrift zur Bauordnung bekannt gemacht haben. Sie setzen den § 5 der Musterbauordnung um, sind amtliche Werke nach § 5 UrhG und enthalten die Kernwerte. Die folgenden Zahlen stammen aus der bayerischen Fassung und der Hamburger Fassung der Muster-Richtlinie (Fassung Februar 2007); sie sind keine Wiedergabe der Norm. Maßgeblich ist immer die eingeführte Fassung Ihres Bundeslandes.

Zu- und Durchfahrten

  • Lichte Breite mindestens 3 m, lichte Höhe mindestens 3,50 m.
  • Ist die Zu- oder Durchfahrt auf mehr als 12 m Länge beidseitig durch Bauteile wie Wände oder Pfeiler begrenzt, mindestens 3,50 m Breite.
  • Befestigung für Fahrzeuge mit 10 t Achslast und 16 t Gesamtgewicht.

Kurven in Zu- oder Durchfahrten

Die Richtlinie knüpft die erforderliche Breite an den Außenradius der Kurve:

Außenradius der KurveBreite mindestens
10,5 bis 12 m5,0 m
über 12 bis 15 m4,5 m
über 15 bis 20 m4,0 m
über 20 bis 40 m3,5 m
über 40 bis 70 m3,2 m
über 70 m3,0 m

Quelle: Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr, Fassung Februar 2007, Abschnitt 3, Tabelle (Bekanntmachung der Freien und Hansestadt Hamburg, gemeinfrei nach § 5 UrhG).

Dazu gehören zwei Bedingungen, die gern überlesen werden: Vor oder hinter der Kurve müssen mindestens 11 m lange Übergangsbereiche vorhanden sein, und Außenradien unter 10,5 m kommen in der Tabelle nicht vor. Das Bild 1 der Richtlinie zeigt genau diesen Fall: eine 90-Grad-Kurve mit 10,50 m Außenradius, 5 m Breite in der Kurve, 3 m auf der Geraden und je 11 m Übergang.

Die Tabelle ist nichts anderes als eine Schleppkurve in Zahlen. Die 2 m Zuschlag zwischen der Geraden (3 m) und der engsten Kurve (5 m) sind die Spurdifferenz des Bemessungsfahrzeugs plus den Ausschlag der Überhänge. Deshalb gilt auch der Umkehrschluss: Wo die Kurve kein sauberer Kreisbogen ist, wo ein Pfeiler in der Innenecke steht oder die Einfahrt schräg von der Straße abgeht, beschreibt die Tabelle den Fall nicht mehr vollständig, und die Geometrie muss am konkreten Fahrzeug geprüft werden.

Aufstell- und Bewegungsflächen

  • Aufstellflächen für Hubrettungsfahrzeuge mindestens 3,50 m breit, höchstens 5 % geneigt.
  • Entlang von Außenwänden zusätzlich ein mindestens 2 m breiter hindernisfreier Geländestreifen auf der gebäudeabgewandten Seite; Abstand zur anzuleiternden Außenwand mindestens 3 m und höchstens 9 m (bei Brüstungshöhen über 18 m höchstens 6 m); die Fläche reicht mindestens 8 m über die letzte Anleiterstelle hinaus.
  • Bewegungsflächen je Fahrzeug mindestens 7 × 12 m; Zufahrten sind keine Bewegungsflächen.

Die Aufstellfläche ist ein Sonderfall für die Schleppkurve: Das Fahrzeug muss sie nicht nur erreichen, sondern parallel zur Fassade und innerhalb des Abstandskorridors zum Stehen kommen. Wer die Fläche am Ende einer engen Kurve anordnet, braucht nach der Kurve genug Länge, um das Fahrzeug gerade zu ziehen; sonst steht die Drehleiter schräg und die Stützen finden keinen Platz.

Beispiel: 90-Grad-Einfahrt von der Straße in den Hof

Der Standardfall: eine Wohnstraße, davon rechtwinklig abgehend eine Einfahrt zwischen zwei Gebäuden in einen Innenhof, an dessen Rückseite die Aufstellfläche vor der anzuleiternden Fassade liegt. Drei Dinge sind zu prüfen.

1. Der Außenradius und die Breite in der Kurve. Der Außenradius ist der Radius des äußeren Fahrbahnrands, gemessen am Übergang von der Straße in die Einfahrt. Ergibt die Grundstücksgeometrie zum Beispiel 12 m, verlangt die Tabelle 5,0 m Breite in der Kurve; bei 16 m reichen 4,0 m. Häufigster Fehler an dieser Stelle: Der Radius wird an der Fahrbahnachse oder am inneren Rand abgelesen. Ein Achsradius von 12 m bei 5 m Fahrbahn bedeutet außen 14,5 m und innen 9,5 m; welche Zahl man in die Tabelle trägt, verändert das Ergebnis um eine Breitenstufe.

2. Die Übergangsbereiche. Vor und hinter der Kurve sind 11 m Länge vorzuhalten, in denen das Fahrzeug ein- und auslenkt. Auf der Straßenseite liegt dieser Bereich oft auf der öffentlichen Fahrbahn; dann ist zu klären, ob dort geparkt wird. Auf der Hofseite kollidiert er gern mit dem Wunsch, direkt hinter der Durchfahrt Stellplätze anzuordnen.

3. Die Aufstellfläche. 3,50 m breit, 3 bis 9 m vor der Fassade, 8 m über die letzte Anleiterstelle hinaus, nicht mehr als 5 % geneigt. Und erreichbar: Zwischen Durchfahrt und Aufstellfläche muss das Fahrzeug die Richtung wechseln und wieder gerade stehen.

Ob das alles zusammen funktioniert, lässt sich auf dem Papier nur für den Idealfall des sauberen Kreisbogens ablesen. Für die reale Geometrie ist eine Schleppkurven-Prüfung schneller und belastbarer:

  1. Lageplan laden: Lageplan oder Katasterauszug als Bild, PDF oder DXF/DWG in PathSweeper hochladen und den Maßstab an einer bekannten Strecke kalibrieren.
  2. Fahrzeug anlegen: Ein deutsches Feuerwehr-Bemessungsfahrzeug gibt es in der Bibliothek nicht, weil Einsatzfahrzeuge über DIN-Normen beschrieben sind und nicht Teil der RBSV 2020. Legen Sie das Fahrzeug Ihrer Wehr im Fahrzeug-Editor an: Länge, Breite, Radstand, vorderer und hinterer Überhang, Wendekreis aus dem Datenblatt. Für die Drehleiter liefert der DLK-Beitrag verifizierte Startwerte.
  3. Fahrlinie zeichnen: von der Straße in die Einfahrt, so wie real gefahren wird, mit dem Ausholen, das die Straßenbreite tatsächlich zulässt.
  4. Schleppkurve lesen: Die innere Kante (Hinterrad) gegen die Innenecke der Durchfahrt, die äußere Kante (vordere Ecke) gegen die gegenüberliegende Wand, den Heckausschlag gegen das, was am Straßenrand steht.
  5. Variieren: Radius, Breite der Durchfahrt oder Anfahrwinkel ändern, bis die Kurve frei ist; dann die Fahrt bis auf die Aufstellfläche verlängern und prüfen, ob das Fahrzeug dort parallel zur Fassade zum Stehen kommt.
  6. Exportieren: als PNG oder PDF für die Abstimmung mit der Feuerwehr, als DXF oder DWG für den Planer. Was ein prüffähiger Plan darüber hinaus zeigen sollte, steht im Beitrag zum Schleppkurvennachweis.

Häufige Fehler

  1. Wendekreis halbieren und als Kurvenradius ansetzen. Der Wendekreis ist ein stationärer Vollkreis; die Einlenkphase und die Überhänge kommen obendrauf. Die Richtlinie arbeitet aus gutem Grund mit Außenradius plus Breite, nicht mit einem Radius allein.
  2. Den Radius am falschen Rand messen. Die Tabelle fragt nach dem Außenradius der Kurve. Achs- oder Innenradius verschieben das Ergebnis um eine Breitenstufe.
  3. Die Übergangsbereiche vergessen. 11 m vor und hinter der Kurve, auf der Straßenseite häufig im öffentlichen Raum. Stellplätze und Mülltonnen direkt hinter der Durchfahrt liegen genau dort.
  4. Nur das Löschfahrzeug rechnen. Wenn der zweite Rettungsweg über die Drehleiter führt, ist sie das Bemessungsfahrzeug. Im Zweifel mit der DLK rechnen; akzeptiert das Bauamt später ein kleineres Fahrzeug, bleibt Reserve.
  5. Den Heckausschlag ignorieren. Der hintere Überhang der Drehleiter schwenkt beim Einlenken zur Gegenseite. Zäune, Laternen und parkende Fahrzeuge am Straßenrand gehören in die Prüfung.
  6. Die Aufstellfläche als Ziel, nicht als Manöver denken. Das Fahrzeug muss parallel zur Fassade und im Abstandskorridor von 3 bis 9 m zum Stehen kommen. Nach einer engen Kurve braucht das Länge.
  7. Die eigene Lösung mit der Norm verwechseln. Die Richtlinienwerte sind das formale Soll, die Schleppkurve die Prüfung der konkreten Geometrie. Für Sonderbauten und zertifizierte Nachweise gilt die DIN 14090 selbst; wie Sie sie beziehen, steht im Leitfaden.

Verwandte Leitfäden


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Häufige Fragen

Die Muster-Richtlinie über Flächen für die Feuerwehr, die die Länder als Verwaltungsvorschrift zu § 5 MBO bzw. zur jeweiligen Landesbauordnung bekannt gemacht haben, arbeitet nicht mit einem Innenradius, sondern mit dem Außenradius der Kurve und einer dazugehörigen Mindestbreite: Bei Außenradien von 10,5 bis 12 m muss die Zufahrt mindestens 5,0 m breit sein, bei über 12 bis 15 m 4,5 m, bei über 15 bis 20 m 4,0 m, bei über 20 bis 40 m 3,5 m, bei über 40 bis 70 m 3,2 m, darüber 3,0 m. Vor und hinter der Kurve sind mindestens 11 m lange Übergangsbereiche vorzusehen. Außenradien unter 10,5 m sieht die Tabelle nicht vor.

Nein. Der Wendekreis beschreibt die stationäre Kreisfahrt bei vollem Lenkeinschlag. Beim Einbiegen von einer Straße in eine Zufahrt lenkt das Fahrzeug erst ein, die Hinterräder schneiden die Kurve innen, der vordere Überhang schwenkt außen über die Radspur hinaus, und der lange hintere Überhang der Drehleiter schwenkt beim Einlenken zur Gegenseite aus. Welche Fläche das Fahrzeug tatsächlich überstreicht, zeigt nur die Schleppkurve entlang der konkret gefahrenen Linie.

Das Bemessungsfahrzeug legt die örtliche Feuerwehr bzw. die Brandschutzdienststelle fest. Sobald der zweite Rettungsweg über Hubrettungsfahrzeuge führt, ist das in der Regel die Drehleiter DLK 23/12; für reguläre Wohngebäude ist es häufig ein Löschfahrzeug wie das HLF 20. Im Zweifel mit der Drehleiter rechnen: Sie ist das geometrisch anspruchsvollere Fahrzeug, und eine Zufahrt, die für sie funktioniert, hat gegenüber dem kleineren Fahrzeug Reserve.

Nein, sie ergänzt ihn. Die Mindestmaße der Richtlinie (Breite, Höhe, Kurvenbreite, Übergangsbereiche, Aufstell- und Bewegungsflächen) sind das formale Soll und werden vom Bauamt geprüft. Die Schleppkurve zeigt zusätzlich, ob das konkrete Fahrzeug durch die konkrete Geometrie kommt, etwa wenn ein Pfeiler in der Kurve steht, die Einfahrt schräg zur Straße liegt oder die Fahrbahn kein sauberer Kreisbogen ist. Für Sonderbauten und zertifizierte Nachweise ist die DIN 14090 selbst heranzuziehen.

Quellen & Nachweise

  1. Art. 5 BayBO: Zugänge und Zufahrten auf den Grundstücken — Bayerische Staatskanzlei (BAYERN.RECHT)
  2. Richtlinie über Flächen für die Feuerwehr, Fassung Februar 2007 (Bayern, amtliches Werk nach § 5 UrhG) — Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
  3. Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr, Fassung Februar 2007 (Hamburg, mit Tabelle und Bild 1) — Freie und Hansestadt Hamburg
  4. DIN 14090 Feuerwehrzufahrten: Bezug und Alternativen (PathSweeper-Leitfaden) — PathSweeper

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