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Wendehammer planen: Bauformen, Quellenlage und typische Fehler

Von Joël MarthReading time: 5 min read
WendehammerSackgasseRASt 06Verkehrsplanung
T-Einmündung in einem Wohngebiet zur Darstellung der Wendegeometrie für Sackgassen
T-Einmündung in einem Wohngebiet zur Darstellung der Wendegeometrie für Sackgassen

In Sackgassen müssen Müllfahrzeuge, Feuerwehrfahrzeuge und Lieferdienste sicher wenden können. Die geometrischen Anforderungen an Wendeflächen sind in den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) des FGSV festgelegt. Dieser Artikel erklärt, welche Bauformen es gibt, woher die maßgeblichen Werte stammen, wo Sie sie rechtssicher beziehen — und welche Planungsfehler in der Praxis am häufigsten auftauchen.

Quellenlage: Wo die Wendehammer-Maße herkommen

Die exakten geometrischen Vorgaben für Wendehämmer (Bauformen, Mindestmaße, Schleppkurvenschablonen) sind in den RASt 06 (FGSV-Nr. 200) und den ergänzenden RBSV 2020 (FGSV-Nr. 287) zusammengefasst. Beide Regelwerke werden vom FGSV Verlag herausgegeben und sind urheberrechtlich geschützt. Eine strukturierte Wiedergabe der Tabellen im Internet wäre rechtswidrig — verbindliche Maße sind ausschließlich aus der Original-Quelle zu entnehmen.

Es gibt drei legale Wege, an die maßgeblichen Werte zu kommen:

1. Original-Regelwerk beim FGSV Verlag kaufen. Die RASt 06 (lizenzpflichtig) enthält die vollständigen Wendehammer-Maße inklusive Bauform-Schemata. Pflicht für jede zertifizierte Berechnung in einer öffentlichen Ausschreibung. Die ergänzende RBSV 2020 (52 €) liefert die zugehörigen Schleppkurven-Schablonen für Bemessungsfahrzeuge.

2. CAD-Software mit lizenziertem RBSV-Katalog. Autodesk Vehicle Tracking, AutoCAD Civil 3D Country Kit DACH, Bentley OpenRoads, BricsCAD Pro und CARD/1 enthalten die deutschen Bemessungsfahrzeuge und Wendehammer-Schablonen im Lizenzumfang.

3. Freie amtliche Quellen. Für private Bauvorhaben und Vorplanung bieten die Landesbauordnungen und ihre Verwaltungsvorschriften gemeinfreie Werte (§ 5 UrhG): die Mindestlänge der Sackgasse, ab der eine Wendefläche erforderlich ist, ergibt sich aus DIN 14090 und der jeweiligen Bayerischen bzw. landesrechtlichen Richtlinie über Flächen für die Feuerwehr. Die maximalen Rückfahrwege und Sicherheitsanforderungen für Müllfahrzeuge stehen in der DGUV Vorschrift 70 (Rückwärtsfahren auf öffentlicher Verkehrsfläche generell unzulässig).

Bauformen im Überblick (ohne lizenzierte Maßangaben)

In der deutschen Planungspraxis sind drei Bauformen verbreitet:

  • Hammerkopf-Wendeplatz — Querbalken am Ende der Sackgasse. Standard im Neubaugebiet, weil das Müllfahrzeug in einem Zug rangieren kann und die Bauform sowohl der Müllabfuhr als auch dem Feuerwehr-Tanklöschfahrzeug genügt. Der praxisübliche Hammerkopf für regulären Wohnungsbau wird in der Literatur regelmäßig mit Außenmaßen um 21,5 m × 13,0 m angegeben (Zitat nach RASt 06, § 51 UrhG); die verbindlichen Werte und Toleranzen entnehmen Sie der RASt 06.
  • T-Form-Wendeplatz — zwei kurze Stiche links und rechts am Ende. Spart Fläche in dichter Bestandsbebauung, erfordert aber mehrfaches Vor- und Zurücksetzen → ungeeignet für 3-achsige Müllfahrzeuge.
  • Kreis-Wendeplatz — runde Wendefläche, geeignet für 2-achsige Müllfahrzeuge.

Welche Bauform und welche konkreten Mindestmaße in Ihrem Projekt zulässig sind, regelt die örtliche Bauleitplanung in Verbindung mit RASt 06 sowie der jeweiligen Erschließungs- und Stellplatzsatzung.

Anforderungen aus Sicht der Müllabfuhr

Die örtlichen Entsorger orientieren sich an der DIN EN 1501-1 (Abfallsammelfahrzeuge — Allgemeine Anforderungen und Sicherheitsanforderungen, Teil 1: Hecklader, lizenzpflichtig bei DIN Media GmbH) sowie an der DGUV Vorschrift 70. Wesentliche Anforderungspunkte, die bei der Wendehammer-Planung zu klären sind:

  • ausreichender Wendekreis für das tatsächlich eingesetzte Müllfahrzeug-Fahrgestell (öffentliche Hersteller-Datenblätter sind frei verwendbar),
  • Tragfähigkeit der befestigten Fläche (Auslegung in der Regel auf das tatsächliche Fahrzeuggewicht; konkrete Werte ergeben sich aus DIN 14090 / DIN EN 1501-1 sowie der örtlichen Erschließungssatzung),
  • Lichtraumhöhe ohne Einbauten oder Bepflanzung im Wendebereich,
  • keine Bordsteine oder Hindernisse innerhalb des Wendebereichs (UVV-Anforderung).

Wer mit einem typischen 2-achsigen Müllfahrzeug-Fahrgestell plant (Radstand 4,2 – 5,4 m, Wendekreis 17 – 19 m Bordstein, Daten aus öffentlichen Hersteller-Datenblättern Mercedes Econic, MAN TGM, Volvo FE), hat eine belastbare Vorplanungs-Grundlage. Verbindliche Bemessungswerte sind den lizenzierten Regelwerken zu entnehmen. Details zu den Fahrzeugmaßen finden Sie im Müllfahrzeug-Maße-Artikel.

Anforderungen aus Sicht der Feuerwehr

Die Anforderung, dass eine Sackgasse ab einer bestimmten Länge eine Wendefläche enthalten muss, ergibt sich aus DIN 14090 in Verbindung mit der jeweiligen Landesbauordnung. Die Schwelle wird in der Praxis regelmäßig mit 50 m benannt; verbindlich ist die in Ihrem Bundesland eingeführte Fassung. Die Wendefläche ist nach dem maßgebenden Bemessungsfahrzeug — bei Wohngebieten meist der Drehleiter DLK 23/12 — zu dimensionieren. Bei Sonderbauten (Hochhaus, Pflegeheim) kann eine größere Wendefläche gefordert werden. Klären Sie das vor Beginn schriftlich mit der zuständigen Brandschutzdienststelle ab.

Häufige Planungsfehler

  1. Bordsteinkante zu hoch oder zu nah — Müllfahrzeuge mit großem hinteren Überhang (ca. 3,2 m, aus öffentlichen Hersteller-Datenblättern) schleifen über die Bordsteinkante und beschädigen ihre Aufbauten. Die DGUV Vorschrift 70 fordert eine plane, hindernisfreie Fläche.
  2. Bepflanzung im Wendebereich — Bäume oder Sträucher dürfen nicht in die Schleppkurve hineinragen. Die Entsorger fahren das Fahrzeug bis zum letzten Zentimeter aus.
  3. Geparkte Fahrzeuge — wer den Wendehammer als Stellplatz markiert, verliert die Befahrbarkeit. Idealerweise wird der Wendebereich mit Verkehrszeichen 283 (Halteverbot) markiert.
  4. Ungenügende Tragfähigkeit — Pflasterung statt Asphalt ohne ausreichenden Unterbau bricht unter dem voll beladenen Müllfahrzeug ein.
  5. Falscher Bemessungsfall — eine nur für 2-achsige Müllfahrzeuge ausgelegte Fläche scheitert am Drehleiter-Wendekreis von ca. 20 m. Immer das geometrisch anspruchsvollste Fahrzeug zugrunde legen.

So prüfen Sie Ihren Wendehammer mit PathSweeper

  1. Lageplan oder Luftbild hochladen
  2. Maßstab durch Markierung einer bekannten Strecke kalibrieren
  3. Müllfahrzeug-Vorlage wählen (oder Drehleiter, je nach Bemessungsfall) — Vorlagen basieren auf öffentlichen Hersteller-Datenblättern
  4. Schleppkurve um den Wendehammer zeichnen
  5. Ergebnis als PDF exportieren

Innerhalb weniger Minuten sehen Sie, ob Ihre geplante Wendefläche die Schleppkurve aufnimmt. PathSweeper unterstützt die Vorplanung; verbindliche Bemessungswerte für eine zertifizierte Berechnung gegenüber Bauamt oder Ausschreibung sind aus RASt 06, RBSV 2020 und DIN 14090 zu beziehen.

Verwandte Leitfäden


Prüfen Sie Ihren Wendehammer in der Vorplanung kostenlos mit PathSweeper. Verbindliche Maße entnehmen Sie der RASt 06 / RBSV 2020 (FGSV Verlag) bzw. der DIN 14090 (DIN Media).

Häufige Fragen

Die maßgebliche Richtlinie ist die RASt 06 (Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen, FGSV-Nr. 200), herausgegeben vom FGSV Verlag. Die Werke- und Tabellenstruktur ist urheberrechtlich geschützt und ausschließlich beim FGSV Verlag erhältlich. Für verbindliche Maße in Bauantrag oder Ausschreibung muss das Original-Regelwerk konsultiert werden.

Drei in der Praxis verbreitete Bauformen: der Hammerkopf-Wendeplatz mit Querbalken am Ende der Sackgasse (Standard im Neubau), die T-Form mit zwei kurzen Stichen am Ende (raumsparend für Bestandsquartiere) und der Kreis-Wendeplatz für 2-achsige Müllfahrzeuge. Welche Bauform und welche konkreten Maße zulässig sind, ist jeweils in RASt 06 sowie in den örtlichen Erschließungssatzungen festgelegt.

Sobald eine Sackgasse die in der jeweiligen Landesbauordnung bzw. der DIN 14090 genannte Mindestlänge überschreitet (regelmäßig 50 m), ist eine geeignete Wendefläche für das maßgebende Bemessungsfahrzeug erforderlich. Ergänzend verbietet die DGUV Vorschrift 70 das Rückwärtsfahren über mehr als 15 m auf öffentlicher Verkehrsfläche.

Der Hammerkopf erlaubt Müllfahrzeugen das Wenden in einem Zug und bedient sowohl Müllabfuhr als auch Feuerwehr — Standard im Neubaugebiet. Die T-Form spart Fläche in dichter Bestandsbebauung, erfordert aber mehrfaches Vor- und Zurücksetzen und ist für 3-achsige Müllfahrzeuge ungeeignet. Welche Variante zulässig ist, regelt die örtliche Bauleitplanung.

Quellen & Nachweise

  1. RASt 06 — Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (FGSV-Nr. 200, lizenzpflichtig beim FGSV Verlag)FGSV Verlag
  2. RBSV 2020 — Richtlinien für Bemessungsfahrzeuge und Schleppkurven (FGSV-Nr. 287, 52 €)FGSV Verlag
  3. DIN 14090:2024-02 — Flächen für die Feuerwehr auf Grundstücken (90,50 €)DIN Media GmbH
  4. DIN EN 1501-1:2021-05 — Abfallsammelfahrzeuge: Allgemeine Anforderungen, Teil 1: HeckladerDIN Media GmbH
  5. Bayerische Richtlinie über Flächen für die Feuerwehr (gemeinfrei nach § 5 UrhG)Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
  6. DGUV Vorschrift 70 — Fahrzeuge (Unfallverhütungsvorschrift)Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
  7. § 5 UrhG — Amtliche Werke (Gemeinfreiheit)Bundesministerium der Justiz
  8. § 51 UrhG — ZitateBundesministerium der Justiz
  9. § 87b UrhG — Rechte des DatenbankherstellersBundesministerium der Justiz

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